Bericht zum Bürgerforum der DB Netz AG vom 21.11.2016 im Gemeindezentrum Neuhof

Am Montag, den 21.11.2016, fand das Bürgerforum – organisiert durch die DB Netz AG – im Gemeindezentrum Neuhof statt. Zur Informationsveranstaltung zum aktuellen Planungsstand mit Vorstellung der derzeit sieben Trassenvarianten kamen rund 500 Bürger ins Bürgerhaus Neuhof, gut 3/5 der Teilnehmer aus Kalbach.

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Herzlichen Dank, dass ihr unserem Aufruf gefolgt seid und in Neuhof mit eurer Teilnahme Flagge gezeigt habt.

Vertreter der Bahn erklärten, dass vom Ausbau der Bahnstrecke Fulda-Hanau auch die Region Fulda durch bessere Taktungen und kürzere Fahrzeiten profitieren wird. Oberstes Ziel des Projekts ist eine Erweiterung der Kapazität. Damit einhergehen sollen eine Verbesserung von Qualität und Pünktlichkeit, da schneller Fernverkehr und langsamer Nah- und Güterverkehr getrennt werden. Dadurch wird beispielsweise vermieden, dass ein Regionalexpress zwischen Frankfurt und Fulda mehrfach stoppen muss, um einen ICE überholen zu lassen. Die Fahrtzeit von Fulda nach Frankfurt solle künftig 45 Minuten betragen.

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Der Aus- und Neubau soll zwischen Hanau und Fulda von zwei auf vier Gleise erfolgen.

Die sieben derzeit im Gespräch befindlichen Varianten verlaufen in vier verschiedenen Grobkorridoren, die sich im Bereich Neuhof-Kalbach-Fulda zu einem Korridor verdichten.

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Die Trassenführung soll in einem transparenten Planungsprozess und anhand für alle Beteiligten nachvollziehbarer Kriterien ermittelt werden. Die Trasse soll am Ende die verkehrlichen und betrieblichen Zielstellungen erreichen, raumverträglich und wirtschaftlich sein sowie die geringsten Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt haben. „Vor allem der Mensch spielt für uns eine maßgebliche Rolle“, betonte Dr. Reinhard Domke, Projektleiter für die Aus-/Neubaustrecke Hanau-Würzburg/Fulda. So werden Siedlungsgebiete als sehr hoher Raumwiderstand angesehen. Ebenfalls als sehr hoch eingestuft wurden Wasser-, Natur- und Vogelschutzgebiete und Überschwemmungsgebiete.

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Für Mitte 2017 wird der Start des Raumordnungsverfahrens angestrebt. Ab 2019 könnten dann Entwurfs- und Genehmigungsplanung und im weiteren Verlauf der Bau beginnen.

„Durch die frühe Bürgerbeteiligung, erhoffen wir uns mehr Akzeptanz für die Trassenvariante, die wir dann am Ende einbringen werden“, sagte Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte Mitte bei der DB Netz AG.

Neuhofs Bürgermeisterin Maria Schultheis lobte die Bahn für die frühzeitige Beteiligung: „Das große Interesse zeigt, dass es in der Region ein wichtiges Thema ist.“

„Ihre Ängste und Sorgen sind völlig verständlich und die will und kann auch keiner wegdiskutieren“, sagte Fuldas Landrat Bernd Woide: „Der Ausbau hat aber auch eine große Bedeutung für die Region.“

Weitere  Politiker und Sachverständige gaben kurze Statements zu den möglichen Varianten ab.

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Für die Bürgerinitiative sprach Jakob Brähler. Er äußerte sein Unverständnis, dass der Regionalplan Nordhessen 2009 hinsichtlich der Bahnstrecke Frankfurt – Fulda klare Aussagen treffe, die heute anscheinend keine Berücksichtigung mehr finden (S. 123, Ziel 2): „Hierzu gehören ein Ersatzbau für den Schlüchterner Tunnel sowie Ausbauabschnitte bei Neuhof und Eichenzell – Kerzell. Südlich von Fulda sind die Neubauabschnitte mit der (geplanten) A66 zu bündeln.“ “Dabei ist der mehrgleisige Ausbauabschnitt südlich von Fulda soweit wie möglich zu nutzen.“ Anm.: Ziele der Raumordnung sind nach § 3 Nr. 2 des Raumordnungsgesetzes verbindliche Vorgaben.

Karl-Heinz Kaib, Schriftführer der BI, stellte zunächst einmal klar, dass es der Kalbacher BI nicht darum gehe zwischen Kalbach, Neuhof oder Flieden Unfrieden zu schüren. „Die aktuellen Planungsüberlegungen der Bahn sind ein Hammer oder man kann auch sagen eine Katastrophe für den Raum Flieden – Neuhof – Kalbach, wenn eine der betreffenden Varianten Realität würde.“ „Viele Menschen sind in großer Sorge und sehen die Planungen der Bahn als einen Angriff auf ihre Heimat an. Es ist zu fragen, ob die Planungsüberlegungen der Bahn mit der dazugehörigen Variantenprüfung auch den Kriterien der Vernunft, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit entsprechen.“

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Er fragte nach, ob es vernünftig sei, wenn zwei Jahre nach Abschluss des Jahrhundertbauwerkes „A 66“ die Bahn prüfen lässt, ob im Raum Flieden – Neuhof – Kalbach ein weiteres Jahrhundertbauwerk in Gang gesetzt werden kann. Vernünftiger erschiene, wenn die Bahn mit dem Bau der A 66 eine Ertüchtigung der vorhandenen Bahnstrecke von Flieden bis nach Kerzell vorgenommen und dabei für wirkungsvollen Lärmschutz gesorgt hätte. Der Bau der A 66 zwischen Neuhof-Opperz und Kalbach-Niederkalbach wurde aus Gründen des Naturschutzes, des Landschaftsbildes, des Städtebaues  sowie der Erhaltung eines gesunden Wohnumfeldes verworfen. Weshalb gilt dies nicht für die Planungen der Bahn? Gilt der Regionalplan Nordhessen 2009 nicht für die Bahn? Ist die Bahn glaubwürdig, wenn sie jahrelang versprochen hat, auf eine Lösung mit dem Opperzer-Berg-Tunnel zu verzichten und jetzt plötzlich bei gleich zwei Varianten eine solche Lösung wieder ins Spiel kommt?

Leider sind nicht alle Fragen beantwortet worden, nur dass für den Bau einer Bahntrasse andere Vorschriften gelten als für den Bau einer Autobahn und dass der Bau der Bahnstrecke nicht per se an den Regionalplan gebunden sei, man aber selbstverständlich auch die Variante V, die den Plänen des Regionalplans am ähnlichsten erscheint, als „echte“ Variante weiter prüfen wird.

Die Bürgerinitiative wird weiter mit Nachdruck die Forderungen der Kalbacher bei der Bahn benennen!

Weitere Information zu diesem Bürgerforum sowie Presseberichte:

2016-11-21: Präsentation vom Bürgerforum der DB AG in Neuhof

2016-11-22: Fuldaer Zeitung: “Keine Strecke wird konfliktfrei sein”

2016-11-23: Fuldaer Zeitung: “Mehr Güterverkehr, besserer Lärmschutz”

Ein Gedanke zu “Bericht zum Bürgerforum der DB Netz AG vom 21.11.2016 im Gemeindezentrum Neuhof

  • 27. November 2016 um 12:33
    Permalink

    Unfassbar, mit wie wenig Weitblick die DB arbeitet

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