Favoritenauswahl der Bahn trifft das Herz der Gemeinde Kalbach

BI kritisiert die ungenügende Prüfung der Trassenbündelung mit Lärmschutz

Altbürgermeister Karl-Heinz Kaib, der auch Schriftführer der BI gegen eine weitere Bahntrasse durch Kalbach ist, nimmt in Vertretung des im Urlaub befindlichen Vorsitzenden, Jakob Brähler, im Namen des Vorstands zu der im Dialogforum am 03.05.2018 verkündeten Favoritenauswahl der Bahn Stellung. Nach seinen Worten werde jede der beiden Varianten, egal ob die Variante IV oder die Variante VII (neu), eine gute Zukunft für die Gemeinde Kalbach erheblich beeinträchtigen. Sie treffe nämlich insbesondere die Ortsteile Nieder- oder Mittelkalbach, die beide eine zentralörtliche Funktion innerhalb der Gemeinde Kalbach hätten, bzw. einen Teil von Oberkalbach in ihrem Herzen. Deshalb werde sich die Kalbacher BI beim anstehenden Raumordnungsverfahren weiterhin für eine Bündelung der Verkehrswege (Bestandsstrecke und A 66) im Abschnitt „Flieden bis Bronnzell“ einsetzen. Dieser Abschnitt sei übrigens identisch mit dem schon in der Vergangenheit durchgeführten Raumordnungsverfahren. Von Karl-Heinz Kaib wird scharf kritisiert, dass die Planer der Bahn trotz mehrfacher Aufforderung eine wichtige Vorgabe des Regierungspräsidiums Darmstadt, die sich auf die Trassenbündelung mit Lärmschutz bezieht, nicht mit der gebotenen Sorgfalt bearbeitet hätten.

Das Regierungspräsidium hatte der Bahn mit dem Unterrichtungsschreiben vom 28. August 2015 folgende Verpflichtung auferlegt: „Zum Schutzgut Mensch einschließlich der menschlichen Gesundheit sind im Rahmen der Variantenabwägung letztendlich Aussagen zu treffen, ob eine Trassenbündelung mit entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen besser oder schlechter ist als eine Neutrassierung entlang des Kinzig- und Fliedetals bzw. durch den Nordspessart.“ Diese Vorgabe verlange nach Auffassung der BI, dass genau geprüft werde müsse, welche erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen bei den einzelnen Abschnitten zu erfolgen hätten. Dies bedeute, dass man auch ganz besonders darauf Rücksicht nehmen müsse, dass es aufgrund der Topographie gegenüber der bestehenden Bahnstrecke deutlich höher liegende Wohngebiete gebe, die einen wirksameren Lärmschutz erforderten als die Planer mit einer drei Meter hohen Lärmschutzwand pauschal angenommen hätten. Die fehlende Detailbetrachtung beim Lärmschutz habe nach Auffassung von Vorstandsmitglied Karl-Heinz Kaib dazu geführt, dass die Variante V, die dem Bündelungsgebot der Landes- und Regionalplanung am nächsten komme, beim Schutzgut Mensch deutlich schlechter abgeschnitten hätte als die Varianten, die jetzt von der Bahn zu den Favoriten erklärt wurden.

Darüber hinaus wird kritisiert, dass die Ergebnisse der Schalluntersuchung für die Bestandsstrecke ohne die neuen Gleise noch nicht vorliegen. Ohne Kenntnis dieser Ergebnisse könne aber keine fachlich richtige Entscheidung getroffen werden. Denn man muss für eine objektive Variantenabwägung beachten, dass für die Bestandsstrecke, neben die keine neuen Gleise verlegt werden, deutlich höhere Grenzwerte gelten. Dies habe zwangsläufig zur Folge, dass die Bahn auch zu einem deutlich geringeren Lärmschutz verpflichtet sei. Deshalb sei für die BI im momentanen Stadium der Entscheidungsfindung in keiner Weise bewiesen, dass die Variante V (Bestandsstrecke und neue Gleise) für die Menschen im Raum Flieden bis Kerzell wirklich die schlechtere Variante sei. Nur durch detaillierte Schalluntersuchungen könne die notwendige Klarheit geschaffen werden. Die Kalbacher BI fordert deshalb, dass diese Untersuchungen vor der Entscheidung über die Antragsvariante für das Raumordnungsverfahren durchzuführen sind.

Die Haltung der Bahn, an der Variante VII mit dem Opperzer-Berg-Tunnel festzuhalten, sei für alle Bürger von Neuhof und Kalbach nicht nachvollziehbar, da eine solche Planungslösung schon bei der A 66 verworfen wurde. Auch wenn die Bahn in der Vergangenheit immer wieder betonte, dass beide Projekte nicht vergleichbar seien, ist für die Kalbacher BI folgende Tatsache wichtig: Die Eingriffe in Natur und Landschaft können umso deutlicher reduziert werden, je stärker sich die neue Bahnlinie an die A 66 bzw. die vorhandene Bahnstrecke anlehnt. Darüber hinaus werde eine neue oder zusätzliche Lärmbelastung verhindert. An diesem irrsinnigen Vorschlag der Planer werde das Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre gezeigte Fehlverhalten der Bahn überdeutlich, weil sie es versäumt habe, beim Bau der A 66 im Raum Neuhof mitzubauen. Vom Altbürgermeister wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass mit dem Bau der A 66 auch der 4gleisige Ausbau der Bahnstrecke geplant wurde. In dem entsprechenden Plan, der ihm vorliege, sei die Planung der Bahn von Flieden bis nach Bronnzell dargestellt und es wird darauf hingewiesen, dass das Raumordnungs- und Linienbestimmungsverfahren schon durchgeführt ist (Quelle: Hessische Straßen- und Verkehrsplanung, A 66, Wiesbaden, Februar 1997). Deshalb ist im aktuellen Raumordnungsplan 2009/10 auch als Ziel vorgegeben, dass die Neubauabschnitte der Bahn südlich von Fulda mit der A 66 zu bündeln sind. Aus diesem Grund hat die Kalbacher BI bei Ihrem Votum für die Variante V nicht nach dem Sankt Floriansprinzip gehandelt, sondern nur gefordert, dass der so wichtige Regionalplan eingehalten wird. Im Übrigen war der Bau der A 66 und der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke über zwei Jahrzehnte politischer Konsens. Sonst wäre doch eine so eindeutige Aussage im Regionalplan Nord nicht erfolgt.

Wenn nach einer der beiden Favoritenvarianten der Bahn gebaut werden sollte, dann werden die Ortsteile Nieder- und Mittelkalbach von zwei Bahnstrecken, und zwar von der Schnellfahrstrecke Hannover – Würzburg und der Neubaustrecke Hanau – Fulda umzingelt. Damit verbunden wären katastrophale Auswirkungen auf das Wachstum der Gemeinde Kalbach. Obwohl bei den beiden Kalbacher Ortsteilen eine sehr gute Zentralität mit einer angemessenen Daseinsvorsorge gegeben sei, und deshalb in den letzten Jahren auch viele Auswärtige Bauplätze gekauft hätten, würde die damit verbundene positive Einwohnentwicklung mit einer neuen Bahnstrecke abrupt gestoppt werden. Die negativen Folgen der demographischen Entwicklung würden sich dann noch verschlimmern. Dazu komme die zusätzliche Lärmbelastung durch den stark zunehmen Bahnverkehr, wenn zum Beispiel von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr alle vier Minuten ein Güterzug die Nachtruhe vieler Kalbacher Bürger störe. Eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität wäre die zwangsläufige Folge. Ferner müsse man bei der Variante IV noch berücksichtigen, dass das naturnahe Kalbachtal durch zwei Brücken bzw. Dämme vollkommen zerstört werde und fünf Wohnhäuser von den dort lebenden Einwohner aufgegeben werden müssten. Darüber hinaus werde das Belastungspotenzial für die Bewohner der Bornhecke und der Ziegelhüte sowie für die Bewohner anderer Wohngebiete unerträglich werden. Deshalb werde die BI den schwierigen Weg gehen, die Entscheidung der Bahn mit Hilfe von Experten und vereidigten Sachverständigen zu überprüfen. Dabei wird gehofft, dass die Gemeinde Kalbach, so wie bisher auch in Zukunft die entstehenden Kosten übernimmt. Ein entsprechendes Handlungskonzept werde in den nächsten Tagen dem Gemeindevorstand zur Zustimmung vorgelegt werden.

Die BI sieht nur dann ihre Pflicht gegenüber ihren Bürgern als erfüllt an, wenn sie alle denkbaren Schritte geht, die ihr helfen können, eine Bahntrasse auf Kalbacher Gebiet zu verhindern. Die erste Chance besteht im Raumordnungsverfahren und die zweite im Planfeststellungsverfahren. Es werde ein langer und schwerer Weg werden, wenn die Bahn eine Antragsvariante auswählt, die Kalbacher Gebiet betrifft.

4 Gedanken zu “Favoritenauswahl der Bahn trifft das Herz der Gemeinde Kalbach

  • 16. Mai 2018 um 11:51
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    Unser Bürgermeister Hölzer hat sich lt. Artikel bei osthessen-news.de also auch für Variante IV entschieden.Weiß unser Bürgermeister was er denn abgestimmt hat bzw. von welcher Gemeinde er Bürgermeister ist???!!!Der Bürgermeister soll sich gefälligst auf die Seite der BI Kalbach schlagen und nicht für die Trasse IV stimmen.Die schwarzen haben in Kalbach ihren Denkzettel bekommen.Über die Roten und der BfK ist jede Zeile zuviel. Jetzt scheint es so, das Kalbach voll den Burner als Bürgermeister hat.Liebe CDU, aufwachen,damit das Volk “abwählen”kann.Ansonsten sollte man sich wie bereits in Bundes und Landtagen geschehen, auch in Kalbach Gedanken machen, Protest kommt wieder in Mode ,warum nicht AFD Kalbach!!!??

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    • 17. Mai 2018 um 12:09
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      Vertritt die BI die Mehrheit der Kalbacher Bürger?
      Die BI muss deshalb nicht zwangsläufig Kalbacher Interessen vertreten.
      Einen Tod müssen wir sterben. Boomende Wirtschaft in der Region und vernünftige Verkehrsanbindungen gehören nun mal zusammen.
      Fahren Sie einmal durch den tiefen Vogelsberg oder den bayrischen Wald, da können Sie sehen wie die andere Seite der Medaille aussieht, nämlich aussterbende Dörfer, weil die junge Generation keine Perspektive hat.
      Wenn man mal die Kalbacher Brille abzieht, dann ist Variante IV nicht die schlechteste Lösung .

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  • 22. Mai 2018 um 17:34
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    Welche Interessen soll die BI Kalbach denn vertreten,wenn nicht für Kalbach??Was sollen Kalbachs Schultern noch stemmen?? Die ICE Trasse haben wir schon,eine Abfalldeponie die heute keine große Belastung mehr ist,aber sehr wohl eine war.Eine A7 die in Uttrichshausen zu großen Lärmbelastungen führt.Jetzt soll die Trasse IV Niederkalbach und Mittelkalbach mit Lärm Belasten.Boomende Wirtschaft ja,aber nicht immer auf den selben Schultern.Und wenn man schon eine boomende Wirtschaft ins Felde führt,sollte man sich im klaren sein,auf was diese “boomende Wirtschaft” aufgebaut ist,auf Schulden,Schulden,Schulden diese Blase wird platzen,dann werden wir sehen,was die “boomende Wirtschaft” uns bringt.Die Brille brauch man nicht abziehen,man sollte sie besser putzen.Ob man auch der Meinung ist, wenn die Trasse in Oberkalbach für eine große Lärmbelastung sorgen würde????Auch sollte man sich fragen ,ob die Trasse gebraucht wird.Der dringend benötigte BER Flughafen der in 2011 eröffnet werden sollte und nun täglich Millionen verschluckt.Stuttgart21 Kostenexplosion!!! Fertigstellung war für 2019 geplant nun ist man bei 2025!!!Alle Projekte werden ja dringend benötigt,nun sind sie immer noch nicht fertig oder verspätet.Die ERDE dreht sich weiter,geht also ohne.Und von der “boomenden Wirtschaft” falls sie denn anhält,hat der kleine Mann ja sowieso nix,denn der wird nur gemolken.

    

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  • 22. Juli 2018 um 13:57
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    die Bahn hätte die Trasse Fulda – Ffm spätestens nach der Wiedervereinigung ausbauen müssen, es ist das Hauptdrehkreuz in OST WEST und NORD SÜD der Bahn. Die Statistik der Bahnverspätungen belegt dies eindeutig, es ist der Bahnabschnitt mit meisten Verspätungen bundesweit. Der Ausbau ist notwendig und längst überfällig, ja er kommt 30 bis 40 Jahre zu spät!

    ABER:
    Wie schon durch die BI erwähnt wurde, hätte eine Bündelung an der bestehenden Trasse erfolgen müssen. Dies wäre nach Ingenieur technischen Gesichtspunkten ersten ökonomisch günstiger und zweitens wäre auch der Eingriff in die Natur viel geringer. Sollte man weiterhin die Trasse 4 oder auch 7 favorisieren, werden die Schäden massiv sein.

    Ja die Neuhöfer werden sagen recht so, aber wer in Neuhof gebaut hat, wusste worauf er sich einlässt ( die Bahntrasse besteht seit …. Jahren), in Kalbach ist die Lage eine andere.

    Es ist allen Mitteln darauf hin zu arbeiten, das der Ausbau entlang der existierenden Bestandstrasse erfolgt. Wo sind denn all die politischen Größen aus dem Umland von Fulda gewesen? Liebe Mitbürger, auch diesen Umstand sollten wir bei der nächsten Wahl berücksichtigen, der Landrat z.B. macht einen auf schlanke Füße und begrüßt das Ergebnis! Dann schon mal DANKE Herr Landrat!

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